12 Tweets zum 1. August und eine Denksportaufgabe

Christa Markwalder, Nationalrätin FDP.Die Liberalen, Burgdorf

Die Schweiz ist ein wunderbares Land mit Vielfalt, Kultur, Tradition. Aber wir sind auch ein Land voller Widersprüche.


  1. Wir feiern den 1. August 1291, anstatt den 12. September 1848, als die moderne Bundesverfassung in Kraft trat.

  2. Eigentlich sollten wir den 7. Februar 1971 feiern, denn erst seit dann sind alle Bürger und Bürgerinnen stimmberechtigt in der Schweiz.

  3. A propos Stimmrecht: Wir sind stolz auf unsere direkte Demokratie, verzichten aber freiwillig auf das Schweizer Stimmrecht in den Europäischen Institutionen.

  4. Wir gehören zwar zu den globalisiertesten Ländern der Welt, am wohlsten scheint es vielen aber beim Burezmorge zu sein.

  5. Wir sind stolz auf das Erfolgsmodell Schweiz, schwächen es aber freiwillig und unnötig mit der Annahme von Volksinitiativen (gegen Masseneinwanderung, gegen Abzockerei, gegen Zweitwohnungen).

  6. A propos Zweitwohnungen: Die Flachländer wollen den Zweitwohnungsanteil in den Bergen begrenzen, die Bergler stören kalte Betten nicht.

  7. Hingegen kämpfen die Bergregionen gegen Abwanderung die Agglomerationen jedoch gegen Zuwanderung. 

  8. Wir wollen zur Sanierung des Gotthardtunnels eine zweite Röhre bohren, um dann beide Tunnels nur einspurig befahren zu lassen.

  9. Wir halten das Prinzip der Selbstverantwortung hoch, regulieren faktisch aber jedes Detail unseres täglichen Lebens.

  10. Dieses Jahr werden Jubiläen von Morgarten (Sieg) und Marignano (Niederlage) gefeiert. Besser würden wir 70 Jahre Frieden in Europa feiern.

  11. Wir sind stolz auf unseren Nationalhelden Wilhelm Tell dank Friedrich Schiller. Der deutsche Romantiker war jedoch nie in der Schweiz.

  12. Und zum Schluss noch eine kleine Denksportaufgabe: Am 18. Oktober sind Wahlen. Dann wird eine kleine Minderheit vom Volk ins Parlament gewählt, die danach eine noch viel kleinere Minderheit in den Bundesrat wählt. Doch diese Minderheiten müssen jeweils die Mehrheit der Stimmbevölkerung hinter sich haben, um Entscheide erfolgreich umsetzen zu können. Aus diesem Grund müssen Minderheiten mehrheitlich Minderheiten überzeugen, um eine Mehrheit zu erhalten. Denn auch am Schluss würde nur eine Mehrheit der Minderheit über die Schweiz bestimmen, wenn die Mehrheit der Wahlberechtigten am Wahltag zu Hause bleibt. Deshalb: Erhebt Eure Stimme, erhebt Euer Glas – schöner 1. August! Auf eine Schweiz mit Vielfalt, Kultur, Tradition und echli weniger Widersprüchen.