Altersvorsorge

Altersvorsorge Weitsicht ist keine Sehschwäche

Altersvorsorge: Weitsicht ist keine  Sehschwäche

 

Die Schweiz hat ein ausgezeichnetes Vorsorgesystem, das auf drei Säulen beruht: Der AHV (Umlageverfahren), BVG (Kapitaldeckungsverfahren) sowie der privaten (steuerprivilegierten) Vorsorge. Dies ist ein ausgewogener Mix von Eigenverantwortung, staatlich vorgeschriebenem Ansparen und Generationensolidarität.

 

Die demografische Entwicklung ruft jedoch nach Reformen: Die Schweiz kennt weltweit eine der höchsten Lebenserwartung dank unserem hervorragenden Gesundheitswesen, besserer Bildung und weniger harter körperlicher Arbeit. In diesem Jahr feiern erstmals mehr Menschen den 65. als den 20. Geburtstag. Während die zusätzliche Lebenserwartung ab dem 65. Lebensjahr Anfang Achtziger Jahre für einen Mann durchschnittlich 14 Jahre betrug, sind es heute knapp 20 Jahre. Im Jahr 2030 werden ca. 58‘000 Menschen in Rente sein, dies im Gegensatz zu 15‘000 im Jahr 2000.

 

Diese Veränderungen wirken sich stark auf die Altersvorsorge und ihrer Finanzierung aus. In diesem Jahr wurde das erste Mal weniger in die AHV ein- als ausbezahlt, das heisst wir hatten ein negatives Umlageergebnis. Aktuell fallen auf eine Bezügerin vier Erwerbstätige. Anfang 50-er Jahre waren es noch 6.4. Und im Jahr 2060 werden es voraussichtlich nur noch 2 Erwerbstätige sein. Damit droht der AHV eine grosse Finanzierungslücke: ohne Reform wird diese bereits in 15 Jahren jährlich 8.3 Mrd. Franken betragen.

 

Die letzte AHV-Revision wurde 1995 angenommen. Seither sind drei Versuche, unsere Altersvorsorge den veränderten demografischen Verhältnissen und dem Tiefzinsumfeld anzupassen, an der Urne oder bereits im Parlament an einer unheiligen Allianz zwischen SP und SVP gescheitert. Offensichtlich ist das Problembewusstsein für die Notwendigkeit umfassender Reformen in der Bevölkerung noch zu wenig vorhanden.

 

Derzeit diskutiert das Parlament die Altersvorsorge 2020 – ein grosses Reformpaket mit der Handschrift des sozialdemokratischen Innenministers. Neben notwendigen Anpassungen (gleiches Referenzrentenalter Frau und Mann von 65 Jahren, schrittweise Senkung des Umwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge) setzte sowohl die bundesrätliche als auch die ständerätliche Vorlage stark auf Zusatzfinanzierungen anstatt auf einen Umbau. Damit würde die Altersvorsorge für die erwerbstätigen Generationen noch teurer als sie es heute bereits ist. Die Erhöhung der Lohnnebenkosten für die Erhöhung von AHV-Neurenten um 70 bis 230 Franken schadet der Attraktivität des Unternehmensstandorts Schweiz, indem die Arbeit verteuert wird, und die Generationensolidarität würde überstrapaziert.

 

Die Vorlage des Ständerats nimmt ab 2030 eine erneut rasant wachsende Finanzierungslücke in Kauf, was alles andere als verantwortungsbewusst ist. Da zitiere ich doch sehr gerne unsere Jungfreisinnigen:

 

Weitsicht ist keine Sehschwäche!

 

Sicher hat die Reform auch positive Aspekte und soll gelingen, doch nicht mit opportunistischen Rentengeschenken auf Kosten der Erwerbstätigen, sondern mit überzeugenden Argumenten. Das flexible Rentenalter dient den individuellen Lebensentwürfen in unserer älter werden Gesellschaft und der systemwidrige Umverteilung in der beruflichen Vorsorge wird Einhalt geboten. Das sind Elemente, auf die der Nationalrat aufbauen kann, um unsere Altersvorsorge finanziell nachhaltig zu sichern.